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Entstehung

Als Mannheim in die Strukturförderung der Europäischen Union (Ziel2) aufgenommen wurde, stellte die Frauenbeauftragte den Antrag, ein Gründerinnenzentrum zu errichten.

Ziel war es, ein eigenes Gebäude zu finden und einzurichten, in dem sich potenzielle Existenzgründerinnen einmieten könnten. Ein solches Haus fand sich in G7, 22, dem Sanierungsgebiet westliche Unterstadt. Dabei handelt es sich um ein zwar marodes, aber in seiner Grundsubstanz gesundes, sehr reizvolles Gebäude aus der Gründerzeit.

Die Frauenbeauftragte orientierte sich am obersten Grundsatz der Ziel2 Förderung: der Schaffung von Arbeitsplätzen. Deshalb suchte sie nach einem Beschäftigungsträger im Baubereich, der sich um  die Rückkehr von jugendlichen und erwachsenen Arbeitslosen in den ersten Arbeitsmarkt bemühte, und das Haus unter Beteiligung von Handwerksbetrieben kostengünstig wieder in Stand setzte. Hierfür konnte das Diakonie-Projekt gewonnen werden. Es ist auch ihr Verdienst, dass das Haus seinen ursprünglichen Stil wieder fand und ein Blickpunkt der westlichen Unterstadt geworden ist. Die Frauenbeauftragte selbst übernahm mit viel Mut und Elan die Aufsicht über die Sanierungs- und Renovierungsarbeiten – immer mit Blick auf die Zukunftsperspektiven, den Finanzrahmen und den Zeitraum. Ihre Absicht, die Bau- bzw. Unterlassungssünden der vergangene Jahrzehnte zu revidieren, die reizvollen Details des Gebäudes, wie z.B die Stuckdecken, zu erhalten und sich an den Erfordernissen des Denkmalschutzes zu orientieren, machte manche Diskussion erforderlich.

Im Eingangsbereich findet man den roten Sandstein der äußeren Fassade wieder. Er streckt sich über das Erdgeschoss bis hin zum ersten Obergeschoss und deutet darauf hin, dass dieser Teil des Hauses einer hohen Beanspruchung ausgesetzt war.

Sofort beim Betreten des Hauses fiel – trotz seines Zustandes – der Blick auf die kleinen bunten Reliefscheiben, die nur noch zum Teil vorhanden und dadurch umso kostbarer waren. Sie zu schützen und ihren historischen Wert zu erhalten, war unser erster Gedanke.
Fast alle Böden im Haus sind so alt wie das Haus selbst. Nur dort, wo tatsächlich nichts mehr zu retten war, mussten Dielen ergänzt werden. Die Böden hatten zum Teil starke Beanspruchung der letzten Jahrzehnte zu verkraften – konnten aber fast vollständig restauriert werden. Mit ihren Einlegearbeiten tragen sie zum besonderen Flair des Hauses bei.

Die Stuckdecken waren im Stil der 60er Jahre abgehängt. Dies störte die Harmonie und Symmetrie der Räume. Die hohen Türen passten nicht mehr zu der daraus resultierenden niedrigen Deckenhöhe; die urprünglichen Fenster waren durch unpassende Kunststofffenster ersetzt worden. Unter den abgehängten Decken kamen dicke Balken zum Vorschein, die mit Kippdübeln in der stark zerstörten Stuckdecke verankert waren.

Vielen Dank den Theaterplastikern des Nationaltheaters, die den fehlenden Stuck nach den vorhandenen Originalen wieder ersetzt haben.

gig7 ist ein gutes Beispiel dafür, dass es durchaus möglich ist, manchem marode erscheinenden Gebäude mit Initiative seinen früheren Glanz wiederzugeben und es mit neuem Leben zu erfüllen. Der wirkliche Reiz eines solchen Gebäudes ist nicht gleich sichtbar.
Im Gründerinnenzentrum sieht man wie lohnend es sein kann, Phantasie zu entwickeln und den zweiten Blick zu wagen.